Chronik

Chronik der Wassermühle Klein Quenstedt

Der Assebach

Die Geschichte der Wassermühle Klein Quenstedt ist von der Entwicklung der Stadt Halberstadt und der umliegenden Dörfer nicht zu trennen. Besonders Aspenstedt, Neu Runstedt und Groß Quenstedt, Orte in denen der Assebach entspringt bzw. die an seinem Bachlauf liegen, waren schon früher mit Klein Quenstedt auf natürliche Weise verbunden.
Wenn auch der Assebach heute eher als schmales Rinnsal erscheint, wissen die älteren Bewohner der Dörfer, dass bei ungünstigen Wetterlagen der Bach durchaus anschwellen und zu einer Gefahr für die Anlieger werden kann. Passiert ist das zum letzten Mal im Jahr 1937. Zahlreiche Grundstücke waren überflutet worden und einige Schäden in der Riechertschen Mühle entstanden.
Schon im 12. Jahrhundert soll hier am Assebach eine Mühle gestanden haben, so zumindest die Überlieferung.

Abriss der Mühlengeschichte

Ergänzende Informationen zur Mühlengeschichte
  • Klein Quenstedt um 1200 erstmalig erwähnt;
  • Eine Mühle wird 1237 beschrieben.
  • 1438 "Walkenmühle";
  • 1770 Müller Gustav Friedrich Knüppel, nach Tod 1791 Fortführung durch seine Witwe Marie Katherina Hoffmeister, sie baute 1798 das Wohnhaus um, ihr jüngster Sohn, der Müller Johann Heinrich Knüppel verkaufte die Mühle 1836 an einen Heinrich Schröder aus Halberstadt, behielt aber lebenslanges Wohnrecht.
  • Weiterverkauf 1844 an Ludwig Riechert aus Groß Quenstedt, dieser heiratete Wilhelmine Palm.
  • 1850 Pflanzung der beiden Linden an der Südseite des Mühlenteiches;
  • 1852 Bau Scheune, Pferde- und Schweinestall;
  • Sohn Ferdinand führte die Handelsmüllerei ein, baute die 10-PS-Lokomobile 1874 ein (war erstmalig hier in der Umgebung), dazu Neubau Maschinenschuppen, bei dem Bau zog er sich eine Lungenentzündung zu und starb noch 1874.
  • Weiterführung der Mühle durch den jüngeren Bruder Louis; Er war vorher in den 70ern auf Wanderschaft bis Budapest, heiratete 1878 Auguste Wolter.
  • 1888 Umbau der Mühle durch Rudolf Hulsch aus Gernrode, dazu um 1 Etage erhöht:
  • Personal: 1 Knecht, 1 Magd, 2 Gesellen (1 für Mühle, 1 für Maschine);
  • Lokomobile wurde mit Rohbraunkohle beheizt, ca. 500 kg / Tag; 1. Schornstein aus Blech, rostete durch, 1900 Neubau aus Stein, erst Fehlbau, zu 1/4 wieder abgerissen, dann Aufbau auf 22 m;
  • In den 1890er Jahren neues Wasserrad, auch Anbau Waschküche (erst als Speisekammer);
  • 1904 Bau eines Bienenhauses für 30 Völker;
  • 1904 Neubau Wohnhaus, dabei auch Umbau des alten Wohnhauses mit Einrichtung des Kontors im Erdgeschoss;
  • Ab 1900 Tätigkeit von Sohn Walter Riechert in der Mühle, kümmerte sich besonders um den Verkauf, verbesserter Absatz bis nach Magdeburg, heiratete Lilli Dieckmann aus Roklum (Ziegelei);
  • 1913 Dampfmaschine ausgebaut, dafür Sauggasmotor 18 PS Fa. Benz, viele Probleme, vermutlich auch durch schlechte und aggressive Öle im Krieg;
  • Im Krieg auch durch Walter Riechert ein Roggenmahlgang mit Sichter eingebaut;
  • Walter R. musste 1915-1918 in den Krieg.
  • 1920 Sauggasmotor verkauft, dafür AEG-E-Motor 20 PS für 7000 RM angeschafft; Dieser Motor ist mit nur 2 größeren Reparaturen noch heute in Betrieb!
  • 1921 Einbau einer Aspiration;
  • 1922 Einbau eines Plansichters;
  • 1924 Währungsumstellung, Strom 32 Pfg./kWh vom E-Werk Krottorf, deshalb Umrüstung auf Rohölmotor, dafür Schulden gemacht, durch Inflation war Eigenkapital verbraucht.
  • Bis 1923 stand eine Windmühle an der Ostseite des Dorfes.
  • Nach Tod von Louis übernahm Walter R. die Mühle ab 1.1.27, war aber Anfang der 30er fast pleite, dann aber Idee mit Direktvertrieb für Kleinkunden;
  • Dafür Chevrolet-PKW für 900 RM zu Lieferwagen umgebaut und 2 kg-Tüten an Privatkunden vertrieben, damit sehr gute Umsätze und wirtschaftliche Rettung, Schulden konnten bezahlt und wieder Investitionen getätigt werden.
  • Ab 1933 Kontingentierung aller Mühlen, hier 157 t Weizen und 96 t Roggen pro Jahr;
  • 1936 über 25.000 Tüten Mehl abgesetzt;
  • 1934 3. Teichreinigung und Mühlenerweiterung; Anschluss der Getreidereinung an die Aspiration;
  • 1936 2. Auto (Hansa-Lloyd); Heirat Tochter Marianne mit Walter Heucke;
  • 1937 starke Unwetter, Waserradwelle gebrochen, neu durch Mühlenbauer Hulsch, auch Lagerschaden Rohölmotor, W. Riechert wird Obermeister der Müllerinnung in Oschersleben, bleibt es bis in die 50er Jahre hinein;
  • 30er Jahre Gleichstromgenerator 4 PS für Licht;
  • 1939 weiter steigende Absätze, Hansa-Auto verkauft, dafür Borgward-Lieferwagen dann aber fallende Absätze wegen des Krieges;
  • 1940 Gasöl-Zuteilung schwierig, daher wieder Umrüstung auf Elektromotor mit 20 PS, Strompreis war 8,5 Pf./kWh, aber oft Stromsperren;
  • 1946 Speicheranbau begonnen, dafür Abriss Schornstein für Steine;
  • Ab 1.1.48 Walter Heucke Teilhaber der Mühle, erkrankte aber 1952 schwer an Bluthochdruck, 1954 Schlaganfall und Tod;
  • Weiterbetrieb der Mühle reduziert mit Walter Riechert (75 J.) und Lehrling, Betrieb 1959 aufgegeben, ab 1960 nur noch Schrotung durch LPG, dafür keine Pacht, nur fällige Steuern und dringende Reparaturen übernommen;
  • W. Riechert als letzter Müller 1965 gestorben;
  • Um 1975 wurde die Schroterei aufgegeben. Stillstand und einsetzender Verfall der Mühle;
  • Um 1980 wurde aufgrund der Bemühungen von Dr. Walter Heucke (dem Vater des heutigen Besitzers) die Mühle durch den Kulturbund der DDR als Technisches Denkmal anerkannt.
  • In der Zeit ab 1980 umfangreiche Sanierungsarbeiten, zum großen Teil in Eigeninitiative, Dächer, Fassaden, Fußböden und Maschinen wurden instandgesetzt.
  • Die Außenanlagen (Mühlgraben, Staueinrichtungen, Teich) wurden durch den VEB Meliorationsbau Magdeburg Betriebsteil Halberstadt saniert.
  • Ende Mai 1988 erfolgte unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit die feierliche Eröffnung der Mühle als Technisches Denkmal.
  • 1995 übernahm der älteste Sohn Ulrich als frischgebackener Mediziner die Mühle und begann Stück für Stück sich häuslich einzurichten.
  • Im Mai 2000 wurde der Verein Wassermühle Klein Quenstedt e.V. gegründet.
  • 2003 / 2004 Neubau des Vereinsgebäudes, Finanzierung aus anteiligen Mitteln vom Verkauf der Berliner Mauergrundstücke;



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